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Geschichtliches über Matsch

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Ein kleines Dorf mit großer Geschichte

Zur Siedlungsgeschichte des Matschertales:

Matsch ist geschichtlich ein hochinteressantes Tal. Wahrscheinlich war es bereits im 7. Jahrhundert v. Ch. besiedelt. Ein im 19. Jahrhundert in der Saldurschlucht gefundene Bronzehelm weist darauf hin, dass das Tal bereits zur La-Tène-Zeit (5. bis 1. Jahrhundert v. Ch.) von den Kelten begangen wurde. Ebenso wurden etruskische Mauernrest am Eingag des Tales gefunden. Der keltische Helm befindet sich heute im Museum Innsbruck. Die Kelten verschmolzen mit den Urbewohnern zum Volk der Rätier. In den Heinen zu „Eisa“ und „Rumla“, die keltische Gottheiten waren, beteten diese Menschen zu ihren Göttern. Die Namen dieser Heine haben sich bis heute erhalten. Um 15 v. Ch. wurde das Land von den Römern unter Drusus erobert. Die alte Sprache wich einem groben Latein (lingua Romana rustica – Ramaunsch), der Name des Tales wurde in Amatia (liebliches Tal) umgewandelt. „Amatia – Venosta“ wurde urkundlich schon im Jahre 824 n. Ch. erwähnt und hat die älteste Taufkirche Vinschgaus. Taufkirchen hatten damals nur Pfarren. Somit ist Matsch die älteste Pfarre im Vinschgau. Nach der Pfarrchronik gab es in Matsch um 1200 bereits über 100 Familien. Dadurch kam es zu Aufteilung der Urhöfe mit eingehender Gütertrennung und Anlegung von neuen Höfen, den so genannten Schwaighöfen, bei denen die Schafhaltung jene der Rinderhaltung vielfach übertraf. Zu den höchsten Dauersiedlungen gehören die Thanei- und Glieshöfe (Urhöfe). In der Folge wurden die Höfe Rumlatsch, Diola, Patzleid, Sass, Tumpaschin und Kreuzegg (Schwaighöfe) errichtet.

Die „Vögte zu Matsch“:

Das Wappen der Vögte von Matsch.

Die Geschichte des Tales ist eng mit jener der Vögte von Matsch verbunden. Man nimmt an, dass „Egno de Amatia“, ein Nachkomme der Grafen von Tarasp, mit der Einsetzung als Vogt des neu gegründeten Klosters Marienberg um 1161 im Obervinschgau sesshaft wurde. Die Vögte von Matsch zählten zum churrätischen Uradel und waren deshalb freie Herren. Das Geschlecht breitete sich schnell aus. Es erwarb neben den vielen Gütern in Tirol die Herrschaft Kirchberg in Schwaben, die Herrschaft Razüns in Graubünden, die acht Gerichte in Prättigau und ansehnliche bischöfliche und kaiserliche Lehen im Veltlin. Fünf Matscher hatten die Landeshauptmannschaft in Tirol inne und traten auf an der Seite der Fürsten Tirols als ihre mächtigen und verlässlichen Helfer im Krieg und Frieden. Noch am Ende des 15. Jahrhunderts, kurz vor dem Aussterben des Geschlechtes zeichnete sich Gaudenz von Matsch durch Tatkraft und Heldenmut auf. Er führte die Tiroler im Jahre 1488 als oberster Feldhauptmann im Kriege gegen Venedig siegreich an und schlug die Venezianer bei Rovereto. Gaudenz wurde in den Briefen vom Kaiser Maximilian als „unser lieber, getreuer Graf Gaudenz“ angesprochen. 1504 starb mit dem Grafen Gaudenz von Matsch das Geschlecht in männlicher Linie aus. Unter den Vögten gab es auch gewissenlose und brutale Raubritter. So wurde Vogt Ulrich II. vom Beschützer zum Unterdrücker des Klosters Marienberg. Der damalige Abt des Klosters Hermann vom Schönstein wandte sich wegen der barbarischen Übergriffe der Matscher an den Landesfürsten Otto von Tirol und bat um Hilfe. Ulrich II. fühlte sich vom Abt hintergangen. Am 26. August 1304 überfiel der Vogt das Kloster, nahm den Abt gefangen, schleppte ihn nach Schlinig und ließ ihn dort am so genannten „Prälatenstein“ in der Nähe der Schliniger Alm  enthauptet. Ins Kloster zurückgekehrt, begann der Vogt zu rauben, was immer ihm in die Hände kam; ganz besonders hatte er es auf die Urkunden abgesehen. Unter dem Namen „Matscher Sacco“ ist dieser Klosterraub in die Geschichte Marienbergs eingegangen. Mittlerweile sind auf dem „Schlossbichl zu Matsch“ zwei verschiedene Burgen entstanden, zum einen „Obermatsch“ und einige Meter darunter, aber immer noch auch dem Schlosshügel, „Untermatsch“! Vogt „Ulrich III. von Untermatsch“ überfiel im Jahre 1351 seine beiden Vettern Hartwig und Johann, rammte ihre Burg Obermatsch, zerstörte sie und rottete diese ältere Linie der Familie aus. Er selbst zog sich auf die viel günstiger gelegene Chruburg zurück, die er ihrem Erbauer, dem Churer Bischof Heinrich von Montfort, um 1297 genommen hatte.

Das „Gericht zu Matsch“:

Burgruine von Obermatsch.

Von der Pfarrkirche talauswärts befindet sich der „Golgabichl“ also Galgenbühel, gekennzeichnet durch ein großes Kreuz. Wie der Name schon verrät war dieser Ort die Richtstätte für die zum Tode verurteilten Untertanen der Vögte von Matsch. Die Vögte und späteren Grafen von Matsch und ihre Nachfolger, die Grafen Trapp, waren seit 1297 im Besitz eines eigenen Gerichtes im Tale Matsch. Freie und Eigenleute unterstanden dem Gericht der Vögte und waren ihnen abgabenpflichtig. Unter Kaiser Maximilian wurde das Gericht Matsch 1498 zum Blutgericht erhoben. Das Gericht verbleibt den Matschern und den Grafen Trapp bis 1825. In diesem Jahr wurde es mit dem Landgericht Glurns vereinigt. Ein Richter von Matsch wird 1324 erstmals erwähnt. Er hatte seinen Sitz vermutlich im heutigen Pfarrvidum. In seinen tiefen Kellern sind heute noch die finsteren Kerker zu sehen. Zum Gericht Matsch gehörten auch die ausserhalb des Tales wohnenden Eigenleute der Matscher. Der Galgenbichl diente den Matschern in alter Zeit auch als „Thingplatz“ – als öffentlicher Versammlungsplatz. Hier wurde jedes Jahr am 22. Februar, am Tag Petri Stuhlfeier, in Matsch die „Grossgemeinde“ gehalten, bei der wurden auch aus dem „Weisthum“ (bäuerliche Restssatzung im Mittalter) vorgelesen, wie die Freiung zu handhaben war.  Das Gericht Matsch stellte von alters her eine Freiung dar. Innerhalb der Gerichtsgrenzen konnte jedermann, der keinen Totschlag begangen hatte oder keiner „redlichen Verhandlung pflichtig war“, Asyl beanspruchen, gleich dem alten Asylrecht in den Kirchen und Friedhöfen. Diese galt zunächst für ein Jahr, konnte aber jedes Jahr verlängert werden indem die betreffende Person drei Schritte außerhalb des Hohen Kreuzes hinausging und neuerdings die Freiung anrief. Diese Sonderstellung des Matscher Tales endete mit dem Jahr 1825. In diesem Jahr wurde das eigenständige Gericht Matsch aufgelassen und es wurde mit dem Landgericht Glurns vereinigt. Im Jahre 1927 wurde dann die Gemeinde Matsch aufgelöst und der Großgemeinde Mals einverleibt.

Verheerende Großbrände:

Der schlechte Bauzustand vieler Häuser und Wirtschaftsgebäude in Matsch ist auf die großen Brände in den letzten Jahrhunderten zurückzuführen. So brach am 7. Oktober 1783 laut Chronik im Stalle des letzten Hauses am Ragatschweg (nahe dem Pfarrhaus) ein Feuer aus. In kurzer Zeit standen 20 Häuser in Flammen. Der damalige Frühmesser Simon Theiner erstickte bei diesem Brand. Es fielen auch die Krichenbücher und verschiede Urkunden dem Feuer zum Opfer. Von 1901 bis 1929 wurde das Dorf Matsch von vier Großbränden heimgesucht. Infolge dieser Großbrände ist von der alten Bausubstanz im Dorf nicht mehr viel übrig geblieben. Die schlecht wirtschaftliche Lage in den dreißiger Jahren hatte zur Folge, dass die Häuser von ihren Besitzern nur unter großen finanziellen Opfern wieder aufgebaut werden konnten. Die Freiwillige Feuerwehr wurde im Jahre 1903 gegründet.

Vernichtende Epidemien:

Das Tal Matsch wurde im Laufe der Jahrhunderte von furchtbaren Epdidemien und Wasserkatastrophen heimgesucht. Im Jahr 1348 erlitt die Bevölkerung durch die Pest starke Einbußen. Nach dem Marienberger Chronisten P. Goswin hat die Seuche diese Gegend so entvölkert, dass kaum der sechste Teil der Bewohner übrig blieb. Einen weiteren Rückschlag in der Bevölkerungsentwicklung brachte die Pest 1635/36. Um die Seuche zu bannen, wurde von den Matschern ein Kreuzgang nach Tanas gelobt; der wird heut noch am 01. Mai jeden Jahres abgehalten.

Wasserkatastrophen:

Der an sich ungefährliche Saldurbach verwandelte sich in der Vergangenheit im Hochsommer wiederholt in einen reißenden Wildbach. Die Chronik von Matsch berichtet ab dem 17. Jahrhundert immer wieder von Ausbrüchen der zwei „unheimlichen Bergseen zuhinterst im Tale“. Solche verheerende Ausbrüche erfolgten in den Jahren 1603, 1613, 1737, 1785, 1818, 1823, 1834, 1859 und 1866. Eine der schwersten Wasserkatastrophen ereignete sich im Jahre 1737. Darüber schriebt der damalige Pfarrer Jacob Max Seeler ins Sterbebuch: „Den 28. Juli 1737 ist der Ferner in Tobrettes ausgebrochen, hat fast den ganzen Dial – Wald hinweg genommen, fast alle Güter neben dem Bach mit Grund und Boden hinweg samt vier Mühlen, einer Säge einer Schmiede und einem großen Bauernhaus; dabei sind 19 Personen armselig zugrunde gegangen. Bei hellem Sonnenschein war die Mure um 5 Uhr abends urplötzlich da.“ Um diese stets drohende Gefahr loszukriegen, entschlossen sich die Matscher und Schludernser 1866 gemeinsam, einen richtigen Damm als Schutzwehr gegen einen plötzlichen Ausbruch der Seen aufzuführen. Diese Wildbachverbauung wurde von 1866 bis 1868 durchgeführt. In aller Eile, selbst an Sonn- und Feiertagen – eine für jene zeit unerhörte Ausnahme – wurde am Damm gearbeitet. Endlich war das Werk vollendet. Da spielten die tückischen Wasserkobolde der Technik einen Streich. Eines Tages flossen beide Seen in aller Ruhe ab und dazu noch ausgerechnet unter dem Schutzdamm. Im Gegensatz zur ersten Jahrhunderthälfte sollte das Tal nun für längere Zeit von Katastrophen verschont bleiben. Durch die Unwetterkatastrophe von Pfingsten (23. Mai) 1983 wurden jedoch Erinnerungen an Ereignisse wachgerufen, die schon längst vergessen schienen. Es regnete 72 Stunden in Strömen, im ganzen Vinschgau wurden zahllose Vermuhrungen und Hangrutschungen ausgelöst. Das Matschertal war eines der am stärksten betroffenen Gebiete. Bäume knickten um, Muren brachen los, Wiesenraine rutschten ab und auch das Dorf selbst war in größter Gefahr. Die Bewohner bereiteten sich schon auf den Auszug vor. Die Straßen waren abgeschnitten. Tag und Nacht waren Feuerwehrleute von Matsch und auch von den umliegenden Dörfern pausenlos im Einsatz. Verpflegung für die Bevölkerung musste mit dem Hubschrauber geliefert werden. Die Friedhofmauer rutschte über den steilen Hang und mit ihr auch an die zwanzig Grabsteine und Särge. Die Mühlbrücke, die Brücke bei Kurtatsch und die Brücke vor dem Glieshof wurden von den gewaltigen Fluten des reißenden Saldurbaches fortgerissen. Der alte Wetzelhof wurden zur Gänze verschüttet, das neue Wohnhaus von Muren eingeschlossen, wie durch ein Wunder blieb das alte Hofkreuz unversehrt (siehe Foto). Ebenso die Höfe von Kurtatsch und Muntadisch waren von Muren eingeschlossen und zum Teil beschädigt. Das gesamte Vieh, das in den Ställen war, wurde in Sicherheit gebracht. Im Dorf selbst war der Großteil der Bevölkerung mit Arbeitsgeräten wie Pickeln und Schaufeln unterwegs. Frauen und Kinder versammelten sich in der Florinuskapelle und am Kreuze des Dorfplatzes um zu beten. Menschenleben waren Gott sei Dank nicht zu beklagen.

Die überragende Bergwelt des Tales:

Die Berge im hinteren Matschertal laden im Sommer zum Wandern und Bergsteigen ein, und im Winter ermöglichen sie herrliche Skitouren vom Glieshof aus. Zur Zeit der alpinen Erschließung, genauer im Jahre 1883, wurde im hintersten Tal die „Höllerhütte“, eine Schutzhütte vom Deutschen Alpenverein erbaut. Sie galt als Ausgangspunkt für die Besteigung der Weißkugel und der umliegenden Berge, sowie für den Übergang ins Ötztal über Hochjoch und über das Bildstöckljoch nach Kurzras ins Schnalstal. Die Höllerhütte war eine der best eingerichtetsten und modernsten Schutzhütten. Sie wurde aber im Jahre 1945 ein Raub der Flammen. In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde vom Südtiroler Alpenverein zur Wiederbelegung des Fremdenverkehrs an der Stelle der früheren Höllerhütte die stattliche Oberretteshütte errichtet. Durch den Bau dieser Hütte ist dieses herrliche Touren- und Wandergebiet den Bergsteigern wieder zugänglich gemacht worden.

Brauchtum im Tal

Prozessionen:

Prozession in Matsch.

Viele Brauchtümer haben kirchlichen Charakter. So finden am Fronleichnamsfest (seit einigen Jahren aufgelassen), Herz-Jesu-Sonntag und zu Maria Himmelfahrt (15. August) feierliche Prozessionen durch das Dorf statt. Zu diesen Anlässen werden die 4 Fahnen (Männer-, Buben-, Frauen- und Mädchenfahne), die Schutzengelstatue und die Muttergottesstatue vom jeweiligen Bund mitgetragen. Die Buben tragen die Schutzengelstatue und die Bubenfahne, die Männer die Männerfahne, die Frauen die Frauenfahne und die Mädchen die Mädchenfahne und die Muttergottesstatue. Für die Mädchen wurden bereits schon vor Jahrzehnten eigene Gewänder gefertigt, welche 2002 von guten Näherinnen des Dorfes erneuert wurden.

Haussegen:

Am Dreikönigstag werden vom Pfarrer Wasser und Kreide geweiht und am Abend versammelt sich die ganze Familie um den Hausvater, der aus dem Herd oder Ofen glühende Kohlen in eine Pfanne schöpft und ein paar Körner Weihrauch darüber streut. Eine kleine Prozession setzt sich betend in Bewegung, die mit dem “Kiniwasser” und mit Weihrauch in alle Räume des Hofes zieht. An den Türrahmen werden mit geweihter Kreide zwischen die Ziffern des neuen Jahres die Buchstaben C-M-B gesetzt, nach dem Volksglauben die Anfangsbuchstaben von Kaspar, Melchior und Balthasar, die Namen der Heiligen drei Könige, in Wirklichkeit wohl die Initialen für Christus mansionem benedicat, Christus segne das Haus.

Scheibenschlagen:

Es ist Brauch jedes Jahr am 1. Sonntag in der Fastenzeit „Scheiben zu schlagen“. Bereits Wochen zuvor laufen die Vorbereitungen auf dieses Ereignis. Die Jugendlichen des Dorfes sammeln Stroh im ganzen Dorf, um damit die „Larmstangen“ zu umbinden. Es handelt sich dabei um drei kreuzförmige und ca. 4 m hohe Holzgerüste, die einige Tage vorher auf dem sogenannten „Scheibaschlogegg“, einem nach der Dorf auf linker Seite gelegenen Felsvorsprung, aufgestellt werden. Ebenfalls einige Tage vorher werden von kleineren Baumstämmen Scheiben abgeschnitten und mit einem Loch in der Mitte versehen. Es handelt sich dabei um die sog. Scheiben, von denen der Brauch den Namen hat. Für die sogenannten Hexen werden in Benzin getauchte Lumpen an einen Besen gebunden. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind, wird das Gesammelte auf den „Scheibaschlogegg“ gebracht. Mit Einbruch der Dunkelheit wird ein Feuer entzündet. In die Glut halten die Burschen eine auf Haselnussgerten gespießte Scheibe solange, bis sie glüht. Ist es soweit, schwingt sie der Scheibenschlager in der Luft im Kreis, bis sie weißglühend leuchtet, um sie dann mit viel Schwung, verbunden mit einem ausgesprochenen Wunsch für sich selbst, die Familie oder Freunde und Bekannte und dem Ruf: „Oh reim reim, oh reim reim, fir weim weart denn dia Scheib sein? Dia Scheib dia do ausi geat, keart (Name eines Bekannten) und (Name einer Bekannten) fir a guate (Wünsche für das Paar) Scheib. Wor ischas, gsechn hobnmrs. Nimms ban Hax, nimms ban Flax, schaug wia deis Scheibali ausiwatzt!“ Die Scheiben an den Gerten werden auf dem Boden “abzuspecken”. Wie eine Sternschnuppe fliegt die Scheibe dann hinaus in die Nacht. Je weiter sie fliegt, umso mehr Glück bringt sie denjenigen, für die der Wunsch ausgesprochen wurde Meist wird um 20 Uhr die erste Larmstange angezündet. Jeweils im Abstand von einer halben Stunde läuft eine Hexe den Hang hinunter und ein weiteres Kreuz wird angezündet. Dies geht so, bis alle 3 Hexen und Kreuze brennen. Während des ganzen Abends werden die Scheiben ins Tal geworfen. Der Brauch geht auf die vorchristliche heidnische Zeit zurück und sollte die zu dieser Zeit vorherrschenden Wintergeister vertreiben und die Geister des Frühlings geweckt, die Scheiben sollen die Sonne darstellen, die aufgefordert wird ihre Bahn künftig höher zu ziehen.

Osternzeit:

St. Florinus Kirche am Ende des Dorfes.

Palmsonntag: Am Palmsonntag trifft man sich vor der Messe in der St. Florinuskirche, wo zunächst die Palm- und Ölzweige geweiht werden Anschließend begibt sich die Prozession in die  Pfarrkirche, in der der feierliche Gottesdienst stattfindet. Übrigens, wer am Palmsonntag als letzter aus dem Bett kriecht, muss sich den ganzen Tag das Wort “Palmesel” gefallen lassen. Ostern in Südtirol heißt Tradition: Gottesdienste, Feste und Gelegenheiten, die Karwoche abzuhalten. Von Gründonnerstag bis Karsamstag zeigen die “Ratschenbuabm” (meist Ministranten oder die Kinder des Dorfes) als Ersatz für die “nach Rom geflogenen” Glocken mit Ratschen und Sprüchen die alten Gebetszeiten an. Die Ratschen, ein Lärminstrument, bei dem federnde Brettchen oder kleine Holzhämmer auf eine in Drehung gebrachte, gerillte oder mit Zähnen versehene Holzwalze schlagen.

Der 1. Mai:

Am ersten Mai findet der Kreuzgang nach Tanas statt. Dieser wurde von den alten Matschern nach der Pest, die im Jahre 1635/36 tobte, gelobt. Damals wurde versprochen, dass von jeder Familie mindestens eine Person an diesem Bittgang teilnehmen musste, um den Opfern der Pest zu gedenken und um weiteren Schutz für das Dorf zu bitten. Der Bittgang wird von den Matschern bis zum heutigen Tag abgehalten. Treffpunkt ist morgens um 5:00 Uhr bei der Pfarrkirche. Betend begibt sich der Pilgerzug auf eine 4-stündige Wanderung nach Tanas. Dort findet eine Messfeier statt. Nach einer kräftigen Stärkung begibt man sich wieder betend (ca. 1 Std.) bis zum Schludernser Kreuz, wo der Schluss-Segen gespendet wird.

Der 1. Sonntag im Mai:

Am Sonntag nach dem Bittgang nach Tanas findet ein Bittgang von der Florinuskirche zur Sebastianskapelle bei den Glieshöfen statt. Bei diesem Bittgang wird um gute Witterung gebeten. In der ersten Maiwoche findet auch ein Bittgang zu den Kartatschhöfen (Liebfrauenkapelle) statt, der bei der Pfarrkirche beginnt und auch wieder dort endet.

Herz-Jesu-Feuer:

Am Herz-Jesu-Sonntag werden in der Nacht in den Bergen Bergfeuer entzündet. Meist sind es die Jugendlichen, die diesen Brauch am Leben erhalten. Sie teilen sich in Gruppen auf und gehen an verschiedene Bergwiesen, um dort zu Ehren des Schwures aus der Zeit des Andreas Hofers ein Feuer zu entzünden. Meist haben diese Feuer die Form eines Herzens oder eines Kreuzes, oder beidem.

Der 17. November:

Abbildung des Heiligen Florinus in der ihm geweihten Pfarrkirche.

Der 17. November ist der Todestag des hl. Florinus, der der Schutzheilige von Matsch ist. An diesem Tag feiert das Dorf seinen „Kirchta“ (Patrozinium) . Das Fest beginnt mit dem feierlichen Festgottesdienst am Morgen in der Florinuskirche. Die Musikkapelle umrahmt den Gottesdienst und gibt hinterher ein kleines Platzkonzert. Die Gasthäuser bieten an diesem Tag verschiedene traditionelle Köstlichkeiten an und am Abend wird ausgiebig gefeiert. Für die Kinder gibt es an diesem Tag schulfrei  und für alle daheimgebliebenen Matscher gilt dieser Tag als Feiertag.

Der 5. Dezember:

Am 5. Dezember ist der „Krampustog“, der vor allem bei den Kindern sehr beliebt ist. Um 14.00 Uhr versammeln sich Jung und Alt des Dorfes( die sogenannten „Scheller“) auf dem Dorfplatz. Sie tragen um den Bauch laute Kuhglocken und haben die sog. Bockhörner (Hörner von Ziegenböcken) mit, aus dem Sie laut dröhnen, um die Krampusse „aufzuwecken“. Die Scheller ziehen dreimal um das Dorf und zu einem unbekannten Zeitpunkt und an einem unbekannten Ort springen dann die Krampusse hervor und malen ihnen ihre Gesichter, mit Schuhcreme oder Ruß, schwarz an. Die Krampusse sind junge Burschen des Dorfes, die sich zu diesem Anlass mit Schafwolle und Schafsfellen als Phantasiewesen verkleidet haben. Auch dieser Brauch geht auf die vorchristliche Zeit zurück. Die Krampusse sind nichts anderes als die Winterdämonen, die den Menschen schwer zusetzten. Am Abend findet dann der Nikolausumzug statt, indem der Nikolaus mit seinen Begleitern (Krampussen und Engel oder Knecht Ruprecht) von Haus zu Haus zieht und den braven Kindern seine Gaben bringt.

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